Gedanken zum Monat März von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Die Purim Geschichte ist ein Buch für die jüdische Existenz! Die Purim-Narrative, d.h. die Megillat Esther besteht aus zwei Teilen: der erste Teil ist eine Erfolgsgeschichte der totalen Assimilation, ein Verlust für uns Juden. Mordochai sagt zu Esther (Hadassah): „Erzähle keinem, dass du Jüdin bist!“ Sie wird trotzdem Königin in Persien! Was für eine Erfolgsstory! Nun geht aber die Erfolgsstory zu Ende. Es kommt jemand, namens Haman, der das jüdische Volk vernichten will! Jetzt beginnt die Story über eine erfolgreiche Integration! Esther bekennt sich zu Ihrem Judentum in Persien, riskiert ihr Leben und rettet das jüdische Volk! Sie bleibt Königin und vergisst ihr Judentum nicht! Ja, man kann Jude sein, auch in der Diaspora, aber dann soll man sich auch nach außen hin als Jude bekennen: in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in den Schulen.

Gedanken zum Monat Februar von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Im Zweiten Buch Moses, Schemot lesen wir folgenden Vers: „Sie sollen mir ein Heiligtum verfertigen, so will ich unter ihnen wohnen“. Nun stellt sich die Frage was ist heilig im Judentum, gibt es überhaupt etwas Heiliges im Judentum? Das Wort für Heiligkeit auf Hebräisch ist „Kadosch“. Es bedeutet „zu unterscheiden“ oder einfach „anders“ zu sein. Es gibt viele religiöse Angelegenheiten, die mit dem Wort Kadosch und seinem Sinn eng in Verbindung stehen. So begehen wir jeden Schabbat und alle Feiertage mit einem „Kiddusch“, einem Gebet über den Wein, was eine Auszeichnung für diesen besonderen Tag ist. Auch das Wort „Kidduschin“ (Eheschließung) wird vom Wort „Kadosch“ abgeleitet. Durch Eheschließung macht man die Beziehung exklusiv, besonders und heilig. Ehrlich gesagt, ich habe manchmal Probleme mit dem Wort „Kadosch“, mit dem Begriff heilig! Warum? Weil ich die Bibel und die Geschichte ein wenig kenne. Ich habe Sorge, dass wir Menschen, mit dem Begriff heilig zu stark in eine fundamentalistische Richtung gehen.

Gedanken zum Monat Januar von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Zum Jahresende und zum Beginn des Jahres möchte ich diesmal einige Gedanken zum jüdischen Kalender, aber insbesondere über den Monat mit euch teilen. Der jüdische Kalender ist im Wesentlichen ein Mond- und Sonnenkalender. Das bedeutet, dass die Monate nach dem Mondzyklus bestimmt werden, aber man achtet darauf, dass der Kalender nicht zu stark vom Sonnenjahr abweicht. Eine wichtige Zeiteinheit ist also der Monat, auf Hebräisch Chodesch. Dies ist die Zeit zwischen einem Neumond, auf Hebräisch „Rosch Chodesch“ und dem nächsten Neumond. Das ist ca. 29, 5 Tage. Die Berechnungen sind komplex, aber der Neumond, also Rosch Chodesch ist in jedem jüdischen Kalender gekennzeichnet, weil eigentlich dieser Tag der erste Feiertag in der biblischen Zeit war. In vielen jüdischen Gemeinden auf der Welt wird auch heute noch Rosch Chodesch mit besonderen Gebeten, bzw. mit Programmen begangen.