Gedanken für die Monate Juni/ Juli von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Die Monate Juli und August (Tamuz und Aw) sind für Juden, nach unserer Überlieferung, mit vielen traurigen Erinnerungen verbunden. Aus diesem Grunde teile ich mit euch einige Gedanken über die Trauertage, welche mit Fasttagen, sog. Taanijot verbunden sind. Es sind drei solche „Zeitdenkmäler“, wie das Samson Raphael Hirsch definiert: Am neunten des Monat Tamuz (dieses Jahr am12. Juli) wurde Jerusalem vom babylonischen König, Nebuchadnezar und später beim Zweiten Tempel am 17. Tamuz (dieses Jahr am 18. Juli) durch Titus eingenommen. Am neunten des Monats Aw (dieses Jahr am 10. August) wurden sowohl der erste wie auch der zweite Tempel in Jerusalem zerstört.

Gedanken zum Monat Mai von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Am 11. Mai, am Schabbat lesen wir den Wochenabschnitt Kedoschim aus dem 3. Buch Moses/Wajikra. Im Kapitel 19, gleich zum Beginn lesen wir einen spannenden Vers „Kedoschim Tiju“, d.h. „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott.“ Ein hoher Anspruch an uns! Wir versuchen, auf Grund der hebräischen Begriffe das Wort Kadosch (in Plural: Kedoschim) zu verstehen. In diesem Zusammenhang müssen wir einiges voneinander trennen: Kodesch (Heiligkeit), Kiddusch (Heiligung, vor allem des Schabbats oder eines Feiertages mit einem Glas Wein), Keduscha (auch Heiligung, aber eher auf das Gebet bezogen) und das aramäische Wort Kaddisch (was wir als Totengebet bezeichnen).

Gedanken zum Monat April von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Wenn wir am Sedertisch sitzen, sollten wir die kleinen Kinder fragen: „Was ist ein Sklave?“ Wahrscheinlich würden die Kinder antworten: „Ich weiß es nicht.“ Nun könnten wir den Kindern eine Geschichte über ein kleines Kind erzählen, dessen Vater weit entfernt von der Familie wohnte, weil er dort arbeitete und das Geld für den Unterhalt der Familie verdiente. Als sich der Geburtstag des Sohnes näherte, war es geplant, dass der Papa nach Hause kommt. Als aber der Tag kam, musste der Vater zum Telefon greifen und ihm erzählen, dass er leider arbeiten muss und nicht kommen kann. Sein Arbeitgeber bat ihn zu bleiben, weil es zu viel Arbeit zu erledigen gab. Der kleine Sohn fragte den Vater am Telefon: „Warum musst du deinem Arbeitgeber folgen?“ Die Antwort des Vaters war kurz: „Weil ich ein Sklave bin und keine andere Wahl habe.“ Jetzt haben die Kinder es verstanden, was für eine schlimme Sache es ist, ein Sklave zu sein.

Gedanken zum Monat März von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Die Purim Geschichte ist ein Buch für die jüdische Existenz! Die Purim-Narrative, d.h. die Megillat Esther besteht aus zwei Teilen: der erste Teil ist eine Erfolgsgeschichte der totalen Assimilation, ein Verlust für uns Juden. Mordochai sagt zu Esther (Hadassah): „Erzähle keinem, dass du Jüdin bist!“ Sie wird trotzdem Königin in Persien! Was für eine Erfolgsstory! Nun geht aber die Erfolgsstory zu Ende. Es kommt jemand, namens Haman, der das jüdische Volk vernichten will! Jetzt beginnt die Story über eine erfolgreiche Integration! Esther bekennt sich zu Ihrem Judentum in Persien, riskiert ihr Leben und rettet das jüdische Volk! Sie bleibt Königin und vergisst ihr Judentum nicht! Ja, man kann Jude sein, auch in der Diaspora, aber dann soll man sich auch nach außen hin als Jude bekennen: in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in den Schulen.

Gedanken zum Monat Februar von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Im Zweiten Buch Moses, Schemot lesen wir folgenden Vers: „Sie sollen mir ein Heiligtum verfertigen, so will ich unter ihnen wohnen“. Nun stellt sich die Frage was ist heilig im Judentum, gibt es überhaupt etwas Heiliges im Judentum? Das Wort für Heiligkeit auf Hebräisch ist „Kadosch“. Es bedeutet „zu unterscheiden“ oder einfach „anders“ zu sein. Es gibt viele religiöse Angelegenheiten, die mit dem Wort Kadosch und seinem Sinn eng in Verbindung stehen. So begehen wir jeden Schabbat und alle Feiertage mit einem „Kiddusch“, einem Gebet über den Wein, was eine Auszeichnung für diesen besonderen Tag ist. Auch das Wort „Kidduschin“ (Eheschließung) wird vom Wort „Kadosch“ abgeleitet. Durch Eheschließung macht man die Beziehung exklusiv, besonders und heilig. Ehrlich gesagt, ich habe manchmal Probleme mit dem Wort „Kadosch“, mit dem Begriff heilig! Warum? Weil ich die Bibel und die Geschichte ein wenig kenne. Ich habe Sorge, dass wir Menschen, mit dem Begriff heilig zu stark in eine fundamentalistische Richtung gehen.

Gedanken zum Monat Januar von Rabbiner Dr. Gábor Lengyel

Zum Jahresende und zum Beginn des Jahres möchte ich diesmal einige Gedanken zum jüdischen Kalender, aber insbesondere über den Monat mit euch teilen. Der jüdische Kalender ist im Wesentlichen ein Mond- und Sonnenkalender. Das bedeutet, dass die Monate nach dem Mondzyklus bestimmt werden, aber man achtet darauf, dass der Kalender nicht zu stark vom Sonnenjahr abweicht. Eine wichtige Zeiteinheit ist also der Monat, auf Hebräisch Chodesch. Dies ist die Zeit zwischen einem Neumond, auf Hebräisch „Rosch Chodesch“ und dem nächsten Neumond. Das ist ca. 29, 5 Tage. Die Berechnungen sind komplex, aber der Neumond, also Rosch Chodesch ist in jedem jüdischen Kalender gekennzeichnet, weil eigentlich dieser Tag der erste Feiertag in der biblischen Zeit war. In vielen jüdischen Gemeinden auf der Welt wird auch heute noch Rosch Chodesch mit besonderen Gebeten, bzw. mit Programmen begangen.